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Monday, 3. July 2006
Traum: ... Piercing? xD
majinsamurai, 21:09h
Als ich heute Mittag/Nachmittag ein Nickerchen machte, träumte ich davon, ich hätte mir selbst einen Stab senkrecht durch die Brust gerammt. Es war wie ein piecing senkrecht durch die Brust. Ich desinfizierte es und fand es richtig chick.
... aber um ehrlich zu sein, finde ich das im Moment total abartig. ... link (0 Kommentare) ... comment Traum: Bibliothek und Gewitter
majinsamurai, 03:15h
[Ein Traum vom Dienstag, 27.06.2006]
Auf einem großen Gelände standen zwei Schulen, auf eine dieser Schulen ging ich. Nach Unterrichtsende fiel mir ein Buch ein, das ich gerne geliehen hätte. Ein Buch über alte europäische Alphabete. Die Bibliothek war jedoch in der anderen Schule. Also ging ich hin. Ich ging durch die Eingangstür, die Treppen hinauf und suchte die Bibliothek. Ein Pfarrer folgte mir schweigend und blieb im Treppenhaus stehen, als ich den Flur betrat, in dem sich die Bibliothek befand. Schnell fand ich sie, öffnete die Tür und sah die Bücherregale vor mir. Ich wollte gerade reingehen, doch dann wurde ich abgelenkt von zwei jungen Männern, so um die 18 oder 19 Jahre alt, die auf dem Boden im Flur saßen und mich auslachten. Streber, riefen sie, welcher normale junge Mensch will schon Bücher leihen. Als ich mich wieder zu der Tür umdrehte, in die ich gerade gehen wollte, sah ich, dass der Raum plötzlich leer war. Die Bücherregale waren alle ganz plötzlich verschwunden. Ich sah in jeden Raum auf dem Flur, doch nirgends waren die Bücherregale. Alles war einfach weg. Die zwei Männer lachten weiter. Ich ging zu ihnen hin und fragte, was es da zu lachen gäbe. Der Pfarrer stand auf einmal neben mir und hörte mir zu. Sie lachten weiter. Vor lauter Wut packte ich eine Schultasche, die auf dem Boden lag und holte aus, um sie einem der Männer ins Gesicht zu schlagen, doch als ich die Schultasche über meinen Kopf hob, verlor ich das Bewusstsein und schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf. Einer der Männer stand auf und rief, was mir einfiele, die Hand über ihn zu erheben. Ich kam zu mir und stand langsam auf, dann ging ich auf ihn los und wir prügelten uns auf dem Boden. Irgendwann konnte ich mich von ihm befreien und lief die Treppen wieder hinunter. Als ich unten war, sah ich hoch und der Pfarrer stand im Treppenhaus, er starrte mich an, als würde er mir sagen wollen, es sei falsch gewesen, körperliche Gewalt anzuwenden. "Was sollte ich sonst tun, wenn ich nichts anderes gelernt hatte, als mein ganzes Leben lang immer um Liebe KÄMPFEN zu müssen?!", rief ich und lief weinend aus dem Gebäude. Ich lief einen engen Weg entlang und gelangte zu den Sportplätzen, ein Gewitter zog auf. Es waren noch viele Leute auf dem Sportplatz. Ich blieb kurz stehen um zu sehen, was geschah. Ein Gewitter zieht auf, rief jemand. Ist doch egal, kam als Antwort. Sie spielten weiter, doch dann fiel Feuer vom Himmel, wie große Hagelkörner, es traf einen Baum, der daraufhin umfiel und brannte. Es fing an, sehr stark zu regnen und vor Angst liefen sämtliche Sportler (es war eine Mannschaft, welchen Sport sie ausübten, weiß ich nicht mehr) vom Feld. Ein paar Leute riefen hinter mir "Haut alle ab, wenn sogar die Sportler abhauen, ist das ne ernste Lage!!" Alle liefen weg und auch ich lief weiter, auf dem Weg passierte dasselbe mit mehreren freistehenden Bäumen, ich kletterte über einen Maschendrahtzaun in den Wald hinein und lief, als ich jemanden rufen hörte, blieb ich stehen. Die zwei jungen Männer von vorhin saßen da und riefen, sie müssten mich für vorhin bestrafen. Sie warfen mit großen Steinen nach meinem Kopf, ich wich ihnen aus, dann dachte ich mir, sollten sie doch meinen Kopf treffen, ob das Feuer mich trifft oder die Steine, sterben würde ich sowieso. Ich rannte weiter, hörte wie sie weiterwarfen, mich jedoch nicht trafen. Ich lief an einigen Einfamilienhäusern mit Garten vorbei, als eine Frau mich packte und in einen Garten zerrte. Mädchen, wieso läufst du bei dem schrecklichen Gewitter draußen herum?, fragte sie mich und ich zuckte mit den Schultern. Ihr Haus war nur noch ein Trümmerhaufen und sie und ihre Familie versteckten sich in Müllcontainern, die zufällig im Garten standen. In der ferne hörte ich ein Radio, es wurde gesagt, das Gewitter würde sich bald in einen Hurricane verwandeln, in sechs Stunden seinen Höhepunkt erreichen und das gesamte Land zerstören. Im Garten war auch ein Mann, der Mohnbrötchen auf dem Grill grillte, alle versuchten ihn davon abzuhalten, er solle sich verstecken, das Gewitter würde immer stärker werden, doch er wollte unbedingt alle Brötchen fertiggrillen. Als er fertig war, kroch er ebenfalls in einen Müllcontainer. Wenig später, hörte man ein lautes Krachen und den Mann schreien. Er kroch wieder aus dem Container und wimmerte vor Schmerz, erst wusste niemand was geschehen war, alle liefen zu ihm, dann kroch ein seltsames Wesen aus seinem Nacken, es sah aus wie eine etwa 30 bis 40 Zentimeter lange, dicke Eidechse. sobald sie komplett aus ihm herausgekrochen war, lief sie in den Wald hinein. Ich sah etwa drei Löcher im Boden des Gartens, die vorher nicht da waren. Ich vermutete: Die Wesen mussten aus der Erde herausgeschossen worden sein, alle hatten es geschafft nur über dem einen war zufällig der Container mit dem Mann. Das Wesen wurde von in den Mann hineingeschossen und hatte sich daraufhin aus seinem Körper befreit. Unlecker. Ich lief dem davonlaufenden Wesen hinterher, als ich es erreichte, drehte es sich um und sagte: "Ich und meine Artgenossen werden diese Welt zerstören" ... link (0 Kommentare) ... comment Traum: weißer Abgrund
majinsamurai, 03:14h
[Ein Traum vom Sonntag, 25.06.2006]
Ich war bei meinem Freund und wir saßen gerade auf dem Boden und umarmten, küssten uns. Nach einer Weile wurde ich plötzlich zu einem Mann und er zu einer Frau und plötzlich war ich derjenige, der aufrecht auf dem Boden saß und sie(ihn?) auf meinem Schoß sitzen hatte. Ich war schon fertig angezogen und musste gehen, für eine sehr lange Zeit, was ich ihr (ihm?) auch sagte. Nach diesen Worten verblasste unsere Umgebung, als ziehe man aus einem Bild jegliche starke Farbe, es wurde alles blasser bis alles strahlend weiß war - das Nichts. Und etwas zog mich nach hinten, ich stürzte und rutschte nach hinten, als würde ich einen Berg hinunterrutschen, aber der Boden war waagrecht. Es war, als würde mich jemand mit starken Händen über den Boden schleifen, doch da war nichts. ich wurde immer weiter weggezogen von ihr(ihm?). Ich drehte mich um und sah, dass ich auf einen Abgrund hinzu"rutschte". Sie(er?) lief mir hinterher. Als ich gerade über den Abgrund rüberrutschte und hinunterfiel, versuchte sie(er?), meine Hand zu fassen, doch sie(er?) glitt von mir ab und ich fiel ins Nichts. Aber es war alles ganz weiß, richtig hell, ich rutschte eigentlich auf die Sonne zu, doch dann fiel ich in den Abgrund, als liefe man auf den Horizont zu, doch dann stellt sich heraus dass der Horizont nicht die Ewigkeit sondern eine Linie ist und man hinunterfällt, sobald man sie überschreitet, egal wie nah die Sonne war. ... link (0 Kommentare) ... comment Kurzgeschichte: Dreizehn Schritte ins Nichts
majinsamurai, 03:10h
„Sieh mal, wie schön der Sonnenuntergang ist“, flüstert sie mir zu.
Ganz leise, ich kann sie kaum verstehen. Ich nicke. Sie legt ihren Kopf auf meine Schulter und ich schließe, leicht geblendet, meine Augen. Ich drücke ihre Hand und sie seufzt leise. „Was hast du getan, bevor du hierher kamst?“, fragt sie mich, ohne zu mir hochzusehen. „Nicht viel“, erwidere ich und lächle. Sie sieht es nicht. „Gar nichts?“, fragt sie. Ich überlege kurz und meine Lippen flüstern: „Dasselbe wie immer“ „Dasselbe wie immer?“, fragt sie und sieht mich an. Ich nicke. „Dasselbe wie immer“, sage ich und seufze leise. „Was hast du denn getan?“ Ihre Antwort ist dieselbe. „Dasselbe wie immer“, sagt sie und seufzt. Ja, selbst an diesem besonderen Tag hatten wir nichts anderes getan, als das, was wir an jedem Tag unseres sinnlosen Lebens getan hatten. Wir standen auf, wuschen uns, zogen uns an, machten uns Essen vom Vortag warm und waren allein. Wie jeden Tag und doch war es anders. Ich weiß, dass sie dasselbe denkt wie ich jetzt, doch ich sage nichts. Stumm starren wir gen Himmel und es ist, als könne ich ihre Gedanken spüren. Als könne ich lesen, hören, fühlen, was sie gerade denkt. Derselbe Himmel wie immer, denkt sie. Ich kann es hören. Derselbe Himmel wie immer, hauchen ihre Gedanken und doch ist er nicht derselbe. Er ist der letzte und das wird er für immer sein. Für uns. Ich streiche ihr die Haare aus dem Gesicht und sie schließt ihre wunderschönen Augen. Ihre Lippen küssen meine und meine Hände umschlingen ihren Rücken. Ich verliere den Halt, falle zurück auf das flache Dach und reiße sie mit. Ihr Körper fällt auf meinen und sie legt ihren Kopf vorsichtig auf meine Brust. Ich spüre ihren Atem an meinem Hals. Er wärmt meine kühle Haut. „Werden wir uns wiedersehen?“, höre ich ihre Stimme flüstern und langsam überkommt mich ein Gefühl von Einsamkeit. „Ich weiß es nicht“, flüstere ich zurück. Wir flüstern, als würde uns jemand zuhören. Als stünde etwas hinter mir, sähe auf mich herab und mustere mein Gesicht, als verschlänge dieses Etwas jedes Wort das wir sprachen und doch sind wir allein. Nur der Himmel kann uns sehen, nur er kann uns hören, doch er schweigt. Eine tiefe Melancholie übermannt mich, ein Abgrund tut sich in meinem Innersten auf. Ein unendlich tiefer Abgrund, wie jener, über den ich gerade meine Beine baumeln lasse. Eigentlich sollte ich der glücklichste Mensch der Welt sein. Ich habe so eine wunderbare Freundin gefunden, die mir auf allen Wegen folgte, die ich ging und auch auf meinem letzten Weg wird sie mich begleiten. Nein, nicht weil ich es wollte. Eigentlich wollte ich diesen Weg nicht beschreiten, doch irgendwann hatte ich keine Alternativen mehr und auch ihr war es so gegangen. Wir hatten uns, doch in einer Welt wie dieser reichte das nicht mehr. Wir waren untergegangen, wie kleine Boote im tosenden Meer. Und niemand kam, um uns zu retten. Die Sonne ist beinahe untergegangen. Immer noch starre ich in den Himmel und suche Antworten, die es nicht gibt, auf Fragen, die keine sind. Langsam stehen wir auf und sehen auf den Abgrund hinab, der sich vor uns auftut. „Mein Leben ... es hat mir nichts bedeutet“, flüstere ich und lasse meinen Blick über die Hausdächer schweifen. Sie nickt und ich sehe Zustimmung in ihren Augen. Ganz ruhig steht sie neben mir, als warteten wir auf einen Bus, als stünden wir vor ihrer Haustür. Langsam dreht sie sich um und greift nach meiner Hand. Auch ich drehe mich um. „Ich liebe dich“, flüstert sie. „Ich dich auch“, antworte ich und drücke ihre Hand. „Wir werden uns wiedersehen“, sage ich ganz leise. Wie in Zeitlupe lassen wir uns nach hinten in die Tiefe fallen. Ganz langsam zieht alles an uns vorbei. „Ein junges Paar ist vom Dach gesprungen“, werden sie rufen und es steht in allen Zeitungen auf der ersten Seite, oben, ganz dick und fett. Sie werden herumfantasieren, warum wir es taten. Sie werden Lügen verbreiten, sie werden maßlos übertreiben oder uns für verrückt erklären. Doch das alles hat keine Bedeutung mehr für uns. Dreizehn Stockwerke fallen wir hinunter. Dreizehn Schritte gehen wir. Und der Himmel schweigt. ... link (0 Kommentare) ... comment Kurzgeschichte: Rotwein
majinsamurai, 03:09h
Ihre rechte Hand umklammerte den Hals einer Rotweinflasche. Sie ging langsam über den Gehweg, als hätte sie alle Zeit der Welt. Sie erinnerte sich daran, wie schön sie sich gestern Nachmittag noch mit ihrem besten Kumpel übers Internet unterhalten hatte. Die beiden hatten über Gott und die Welt geredet, über alles mögliche, wichtige wie unwichtige. Er hörte ihr immer zu, wenn sie etwas auf dem Herzen hatte. Ja, er war immer der wichtigste Mensch in ihrem Leben gewesen. „Du bist der Einzige, dem ich etwas bedeute“, hatte sie ihm immer wieder geschrieben. „Auch in den dunkelsten Nächten gibt es Licht“, hatte er immer geantwortet.
Nach der Schule ging sie immer sofort nach Hause. Nicht, dass sie dies gerne tat. Sie hasste ihr Zuhause. Der einzige Grund, warum sie letztendlich immer wieder dorthin zurückkehrte, war ihr Computer. Das Internet. Eine Welt gebaut aus Daten, mit Menschen ohne Gesichtern. Hier konnte jeder sein, was er wollte, hier konnte jeder Bewusstsein sein, körperlos. Hier waren alle gleich. Sie lief vor der Realität weg. Mit einem Klick auf „Verbindung ins Internet“ schaltete sie ihre materielle Welt aus und überschrieb diese mit der Virtualität. Sie hatte keine Freunde in der Realität, doch im Internet umso viele. Sie war richtig beliebt. Es war, als machte das Internet aus all den gesichterlosen Menschen, die in ihm lebten, das Gegenteil davon, was sie in der Realität gewesen waren. Doch nun war alles vorbei. Sie konnte nicht zurück. Nicht zurück nach Hause. Nicht zurück zu ihrem Computer. Sie warf die Flasche in einen grünen Altglascontainer und hörte, wie diese zerbarst. Es war, als könne sie den Wein hören, der nun durch all die vielen Splitter bis zum Boden des Containers sickerte. Die Flasche war nicht leer gewesen. Plötzlich kam ein dünner Faden roten Weines unten aus dem Container geflossen. Rot. Sie rannte. In eine wahllos bestimmte Richtung, Hauptsache weg. Weg von dieser Flasche. Weg von diesem Rot. Irgendwann blieb sie, angestrengt hustend, auf einer Brücke stehen. Ihr Atem erzeugte kleine Wölkchen in der kalten Winterluft, genauso wie der Atem aller anderer Menschen dieser Welt. In der Sache waren sie sich alle gleich. Sie alle machten beim Atmen kleine Wölkchen in die kalte Luft im Winter. Sie lächelte. Ihre Hände stützten sich an das Brückengeländer. Ihr Gesicht war eiskalt. Es war wie immer gewesen, dachte sie sich. Er war betrunken. Wie immer hatte er sie angeschrieen und beschimpft. Wie immer hatte er ihr gesagt, wie wertlos und überflüssig sie war. Immer hatte sie nur den Kopf eingezogen und nichts gesagt. Doch diesmal war es zuviel. Ein Mal zuviel. Es war wie ein Tropfen Wasser. Einer zuviel und das Glas lief über. In ihrem Fall war es ein riesiger Tank voller Hass und Verzweiflung. Kaum hatte er sich umgedreht, war das Schwert in seinem Rücken. Ein Schwert, das immer friedlich an ihrer Wand gehangen hatte. Zur Verzierung. Doch gerade die schönsten Dinge konnten gefährlich sein. Schweigend stach sie ihn nieder. Sie hatte nicht viel Kraft, doch er war zu überrascht, um sich zu wehren. Er schrie laut auf vor Schmerz. Kurze Zeit später lag er stumm auf dem Boden. Wie ein Gemälde, dachte sie sich. Ein rotes Gemälde. Nun musste sie wieder an die Rotweinflasche denken. Sie war die letzte Flasche gewesen, aus der er getrunken hatte. Jahrelang hatte er diesen billigen Rotwein getrunken. So wie der Wein in seinen Rachen floss, war auch das Blut aus seinem leblosen Körper herausgeflossen. Mit der Flasche warf sie symbolisch alles weg, was gewesen war. Sie kratzte an dem Blutfleck auf ihrer Hose. Eine Soldatenhose. Sie hatte ihren Feind besiegt, doch gewonnen hatte niemand. ... link (0 Kommentare) ... comment Kurzgeschichte: Keine Zeit
majinsamurai, 03:08h
Wir saßen am Esstisch und schwiegen uns an. Es gab Salamipizza. Sie nippte stumm an ihrem Wein und ich biss lautlos an meinem Pizzastück herum. Es war eine seltsame Atmosphäre, fast bedrückend. Auch das Radio, das normalerweise leise Lieder sang, blieb ausgeschaltet. Nichts rührte sich bis auf unsere Hände, die ohne jeden Ton Wein und Pizza zu unseren Mündern führten. Rotwein, bester Jahrgang, eigentlich mein Lieblingswein, doch er schmeckte mir nicht. Heute nicht. Er wirkte wässrig und fade. Ich nahm an, dass Sie in dem Moment genauso dachte, denn sie schob ihr bereits leergetrunkenes Glas sichtlich unzufrieden zur Seite.
Am Tag zuvor hatten wir uns gestritten. Über eine absolute Lappalie, etwas so Unnützes, dass andere Menschen wohl nur müde lächeln würden, wenn sie jenes Problem gehabt hätten. Doch zwischen uns war es ein Problem gewesen. Sicherlich gab es viele Paare die dasselbe Problem auch hatten, doch ich verstand nicht so recht, warum ausgerechnet wir uns so schrecklich darüber gestritten hatten, dass wir nicht mehr miteinander redeten. Ich war wie immer von der Arbeit nach Hause gekommen, hing meine Jacke auf und zog meine Schuhe aus. Dann stand sie vor mir, küsste mich auf die Lippen und fragte mich, ob wir denn nicht zusammen weggehen könnten, noch am selben Abend. „Irgendwohin, ins Kino oder was feines Essen gehen“, sagte sie, in der Hoffnung ich würde zustimmen. Doch ich tat es nicht. Ihr glücklicher Gesichtsausdruck verwandelte sich in eine düstere Miene. „Warum? Weil du müde bist?“, fragte sie in einem sarkastisch anmutenden Ton. Ich nickte teilnahmslos. „Nie gehst du mit mir aus. Ich bin den ganzen Tag lang alleine zu Hause, mache den Haushalt und koche. Es ist ja nicht so, dass ich das nicht gerne tun würde, aber ich wohne mit DIR zusammen, oder? Ich möchte dich nicht immer nur schlafen sehen. Ich möchte mal mit dir ausgehen, mit dir Spaß haben. Du hast nie Zeit für mich!“ Ich sah sie an. Plötzlich kam sie mir damit. Sie hatte das nie zuvor angesprochen. Sie hatte recht. Doch mein Ego wollte nicht resignieren. Ich warf mit allerlei Ausreden um mich. Wie erschöpft ich immer nach der Arbeit war und dass ich einfach nie früher gehen könne, weil ich nun mal so viel zu tun hätte. Ich könne doch eine Ausnahme machen, schließlich war sie meine Ehefrau, nörgelte sie, doch ich schüttelte nur mit dem Kopf. Ich weiß nicht mehr genau wie es dazu kam, doch dann fingen wir an, uns allerlei Gemeinheiten an den Kopf zu werfen, brüllten uns an und beschimpften uns gegenseitig. Dass keine Vasen oder derartige Gegenstände durch die Luft geworfen wurden, grenzte sicher an ein Wunder. Wir hatten uns nie gestritten, hatten immer Respekt voreinander gehabt. Doch irgendwo schien dieser eines Tages verblichen zu sein. Wir hatten uns auseinandergelebt. Sie versuchte nur verzweifelt wieder eine Beziehung zu mir aufzubauen, unsere Ehe zu leben. Eine Ehe die einstmals real existiert hatte, nicht nur auf Papier. Ich verstand sie nicht. Ich wollte sie nicht verstehen. Ich wollte nur meine Ruhe haben. Ich war schließlich erschöpft, nicht wahr? Irgendwann hatten wir aufgehört und schwiegen uns nur noch an. Tagelang. „Kommst du mit mir mit in mein Lieblingsrestaurant?“, fragte sie mich einige Tage später vorsichtig. Ich wunderte mich, dass sie endlich das Schweigen brach. Doch genervt schüttelte ich den Kopf. Ich hatte keine Lust. Sie ging allein und kam nie wieder. Ich wartete den ganzen Abend lang, doch sie kam nicht. Klar machte ich mir Sorgen, allerdings war ich mir relativ sicher, dass ihr nichts zugestoßen war. Doch dem war nicht so. Gegen 2 Uhr morgens klingelte das Telefon. Genervt ging ich dran und murmelte meinen Namen. Es meldete sich ein Mann mittleren Alters und sagte etwas von einem Krankenhaus, Notaufnahme, und meiner Frau sei etwas zugestoßen. Ich solle so schnell wie möglich kommen. Ich glaubte meinen Ohren kaum, zog mich an, rannte zum Auto und fuhr zum Krankenhaus. Ich wusste nicht mehr wo die Notaufnahme war und musste erst ein paar Minuten lang herumlaufen um mich zu orientieren, da ich durch den falschen Eingang hereingeeilt war. Ich rannte zu einer Krankenschwester, nannte ihr meinen Familiennamen und sagte ihr, meiner Ehefrau sei etwas passiert und sie solle mich zu ihr bringen. Sie führte mich zu einer Tür, vor der ein Arzt stand und auf den Boden starrte. Ich fragte ob meine Frau in dem Raum wäre. Der Arzt nickte leise und antwortete, ich solle nicht hineingehen. „Wir konnten sie nicht retten. Es tut mir leid“ Ich starrte ihn wortlos an. Die Krankenschwester legte sich eine Hand vor den Mund und sah auf ihre Schuhe. „Ist sie tot?“, fragte ich den Arzt erneut. Er nickte resigniert. Ich fiel auf die Knie und lehnte mich mit dem Rücken an die Wand neben mir. Ich weinte. Es waren heiße Tränen, wie kochendes Wasser. Mein ganzes Gesicht brannte. Ich dachte an nichts anderes als an den Moment, als sie mir vor Tagen gesagt hatte „Du hast nie Zeit für mich!“. Du hast nie Zeit für mich. Du hast nie Zeit für mich. Du hast NIE Zeit für mich ... „Es tut mir leid!“ schrie ich in meinem Inneren, immer noch weinend. Schluchzend. Meine Gedanken rasten durch meinen Kopf, ohne mehr zu hinterlassen als Schmerz. Ich wollte mit ihr ins Restaurant gehen, Rotwein trinken und sie lächeln sehen. „Scheisse“, dachte ich mir und stütze den Kopf auf die Arme. „Mein Herr, Sie können sich da nicht einfach hinsetzen“, flüsterte die Krankenschwester daraufhin. „Ich kann Sie verstehen aber...“ „Ich will sie sehen. Meine Frau“, wimmerte ich, in der Hoffnung man könne mich noch einigermaßen verstehen. Die Krankenschwester sowie auch der Arzt der neben mir stand, versuchten, mich davon abzubringen, doch ich bestand darauf. Es war ein normaler OP-Raum. Geflieste Wände, überall seltsame Geräte von denen wahrscheinlich nur die Ärzte selbst wussten, wofür sie da waren. Inmitten des geordneten Chaos lag ein Körper auf einem Bett, zugedeckt mit einem weißen Tuch. Ich trat näher heran und hob jenes Tuch an, um zu sehen was darunter war. Meine Ehefrau. Sie hatte völlig zerzauste Haare, Unmengen von verkrustetem Blut übersäten ihr Gesicht und ihren Körper. Es waren Blutergüsse zu erkennen. Es roch nach kaltem, nassen Metall ... Blut ... „Was ist geschehen?“, fragte ich einen anderen Arzt der mit im Raum stand. Er erzählte mir von einem betrunkenen Autofahrer, der nachts heimfuhr und meine Frau erfasste, als sie am Straßenrand entlang ging. Beide wollten nach Hause. Beide kamen nie an. Beide starben. Ich seufzte und legte wieder das Tuch über sie. Schweigend wischte ich mir mit beiden Händen die Tränen aus dem Gesicht. „Danke. Ich gehe nach Hause. Rufen Sie mich an, wenn etwas ist“, sagte ich dem Arzt der noch auf dem Flur stand und ging. Er nickte nur. Ein Glas Wasser war alles was ich trank, als ich wieder zu Hause war. Immer noch hatte ich den Geruch von Metall in der Nase. Wieder schwirrte mir im Kopf herum, was sie mir vor wenigen Tagen gesagt hatte. Du hast nie Zeit für mich. Plötzlich vermisste ich sie. Ich wollte sie umarmen. Ich rannte in unser Schlafzimmer, doch sie war nicht da. Im Bad, im Esszimmer, im Wohnzimmer, in meinem Arbeitszimmer. Nirgendwo war sie zu finden. Selbst wenn ich ans Ende der Welt gelaufen wäre, ich hätte sie nicht gefunden. Alles was von ihr übrig war, war ein blutverschmierter Leichnam. Überall waren Anzeichen davon, dass sie einst existiert hatte. Ihre Kleidung, ihre Schuhe, die Schminksachen im Bad, die Fotos an der Wand im Flur... Als würde sie gleich zur Türe hereinkommen und ihren Mantel abstreifen. Ich weinte. Ich hatte sie geliebt. Ich hatte sie wirklich geliebt. Warum zur Hölle war ich nur so ungerecht zu ihr gewesen? Ich war zu beschäftigt. Ich hatte keine Zeit für sie. Warum? Ich war ein Dickschädel gewesen, zu stolz, um sie auch einmal glücklich zu machen. Sie hatte sich nur um mich bemüht, doch ich wollte sie nicht verstehen. Sie war alleine gewesen. Nun war ich allein und es war meine Schuld. Wäre ich mit ihr mitgegangen, dann wären wir mit dem Auto gefahren. Wir wären ins Restaurant gegangen, hätten uns etwas leckeres bestellt. Wir hätten uns ein wenig unterhalten. Vielleicht hätten wir uns auch versöhnt, vor allem aber hätte ich mich entschuldigen sollen. Doch was hatte ich getan? Ich hatte sie alleine gehen lassen. Für immer. Sie würde nie wiederkommen. Immer mehr wurde es mir bewusst. Noch ein Glas Wasser. Ich fühlte mich so schuldig. Ich hatte sie gehen lassen. Langsam schlug ich den Kopf gegen eine Wand in der Küche. Hier hatten wir neulich gegessen und kein Wort gesagt. Welch Zeitverschwendung das nur gewesen war. Man hätte so viel reden können. Noch einmal kam meine Stirn auf der kalten Wand auf. Leiser Schmerz durchzuckte meinen Kopf. Ich setzte mich auf einen Stuhl. Schnurrend stand unser Kater auf dem Tisch und ich streichelte ihn. „Sie kommt nicht mehr zurück“, sagte ich ihm unter Tränen. „Nun sind wir allein...“ ... link (0 Kommentare) ... comment Kurzgeschichte: Der tote Schmetterling
majinsamurai, 03:06h
Ein Schmetterling. Er liegt auf dem Fensterbrett, umgeben von Licht. Sein Körper leuchtet weich in verschiedenen Farben. Er wirkt, als würde er schlafen, doch lebendig ist er nicht mehr.
Durchs geschlossene Fenster hindurch kann ich eine Wiese mit unzähligen Blumen, Bäumen und Sträuchern sehen. Zärtlich berühre ich die Flügel des toten Insekts und stelle mir unwillkürlich seine letzten Stunden vor. Wie er vergebens versuchte, durch die Glasscheibe hindurch zu fliegen, dorthin, wohin er sich gehörte. Wie er immer wieder mit seinem kleinen Köpfchen gegen die Glasscheibe prallte. Ob ihn jemand dabei gesehen hatte? Ich fühle Mitleid mit diesem kleinen Geschöpf. Eine grausame Vorstellung, zu verhungern, während man von seinem natürlichen Lebensraum und dem damit verbundenen Futter nur durch eine dünne Glasscheibe getrennt ist. Wie es wohl ist, in solch grenzenloser Verzweiflung zu verenden? Ich sehe genauer hin und stelle fest, dass das Fenster eigentlich gar nicht richtig geschlossen, sondern nur einen winzigen Spalt offen ist. Ich ziehe nur leicht am Griff und schon ist es offen. Der Wind selbst hatte es zugeschlagen und das kleine Geschöpf dahinter eingesperrt. Ob er es leid war, Schmetterlinge wie diesen ständig durch die Lüfte zu tragen, sodass er ihn absichtlich dort eingesperrt hatte? Wie lange er wohl schon tot war? Ich nehme ihn vorsichtig auf meine linke Hand und sehe erneut hinaus auf die Wiese. Sachte umspielt der Wind meine Wangen. Ob jener Wind so grausam sein konnte, ein kleines, harmlose Lebewesen einfach einzusperren? Langsam öffne ich die Tür zur Terrasse und gehe hinaus. Kaum bemerkbar bewegen sich seine Flügel rhythmisch im Wind, doch das nützt ihm auch nichts mehr. Er ist schon längst tot. Bedächtig schreite ich über die Pflastersteine und anschließend hinaus auf die Wiese. Blumen und Gräser streichen an meinen Beinen vorbei, doch das stört mich nicht. Ich gehe auf einen Baum zu und knie mich nieder. Mit den bloßen Händen grabe ich ein kleines Loch und lege seinen leblosen Körper vorsichtig hinein. Leise schiebe ich die herausgegrabene Erde wieder zurück. Es ging ihm nicht besser als den meisten Menschen dieser Welt. Eingesperrt hinter Mauern aus Glas starren sie auf das, was sie hätten haben können. Auf jene Dinge nach denen sie sich sehnen. Manche von ihnen schlagen mit dem Kopf gegen jene Glasscheibe, vielleicht, weil sie sie gar nicht wahrnehmen, vielleicht jedoch auch, weil sie sich ihrer bewusst sind und diese einfach nur durchbrechen wollen. Letztendlich sind sie doch eingesperrt, abgetrennt und werden vergessen. Vielleicht sind sie auch einfach zu kurzsichtig. Doch im Gegensatz zu einem Schmetterling können Menschen Fenster öffnen. Manchmal müssen sie sie, anstatt mit dem Kopf gewaltsam dagegen zu laufen, einfach nur ganz sanft aufziehen. ... link (0 Kommentare) ... comment Me is here.
majinsamurai, 02:43h
So, hab mir nun mal nen Blog hier eingerichtet, da meine Homepage ja bekanntlich (oder auch unbekanntlich) abgemurkst wurde. Mal sehen, was sich so damit machen lässt ...
Ich denke, ich werde hauptsächlich Träume und evtl. Kurzgeschichten posten. ... link (0 Kommentare) ... comment |
Online seit 7122 Tagen
Letzte Aktualisierung: 2006.12.26, 23:24 status
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Traum: Abschlussfahrt,...
wir waren in kroatien und waren kurz vor der abfahrt.... by majinsamurai (2006.07.26, 00:44) Gedicht: So schweige,...
So schweige, Herr. Verzeih mir, Herr, denn ich habe... by majinsamurai (2006.07.08, 17:46) Traum: ... Piercing?...
Als ich heute Mittag/Nachmittag ein Nickerchen machte,... by majinsamurai (2006.07.03, 21:09) Traum: Bibliothek und...
[Ein Traum vom Dienstag, 27.06.2006] Auf einem großen... by majinsamurai (2006.07.03, 03:15) |
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